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Abb.: Klaus Bauerfeld

Humboldt-Universität zu Berlin - Sprachenzentrum

Humboldt-Universität zu Berlin | ZE Sprachenzentrum | Kursangebot und Anmeldung | Russisch-Intensivkurs | Dinamo Minsk – F.K. Minsk im Traktar-Stadion am 31.8.2015, (1:1)

Dinamo Minsk – F.K. Minsk im Traktar-Stadion am 31.8.2015, (1:1)

Nachdem wir uns relativ kurzfristig von der MGLU zur Metrostation „Traktorny Sawod“ (Traktorenwerk) aufgemacht haben ging es in einem ca. viertelstündigen Fußmarsch entlang des besagten Werkes zur Spielstätte, dem „Traktar-Stadion“ (Traktoristenstadion).

(Der Traktor ist eines DER Hauptexportprodukte Belarus‘.)

Als 5er-Gruppe von nicht durchweg Fußballbegeisterten waren wir nun gespannt wieviel eine Karte kosten würde. An diesem Spieltag gab es 2 Preiskategorien: Die günstigen Plätze für umgerechnet 2€ und die etwas teureren für 3€ pro Person.

Beim Ticketkauf stellten wir fest, dass wir unsere Rucksäcke nicht mit reinnehmen durften, sondern an einer Art Garderobencontainer (nachdem diese auf gefährliche Gegenstände jeglicher Art durchsucht wurden) kostenlos abgeben sollten. Es ging dabei aber weniger um den wirtschaftlichen Aspekt, dass, wie hierzulande keine eigenen Getränke oder Essen mit reingebracht werden sollten, sondern liegt in den hohen Sicherheitsvorkehrungen begründet.

Minsker Stadion.
Minsker Stadion.
Foto: Jacob Jäschke

Wer einmal in Deutschland bei einem Erstligaspiel war, weiß, dass auch hierzulande bei Spielen der höheren Ligen besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden und die Fans von einem erhöhten Polizeiaufgebot im Umfeld begleitet werden. Da es sich hier um erheblich niedrigere Zuschauerzahlen handelt, beschränken sich die Polizisten auf die unmittelbaren Plätze um das Stadion. Hier bilden sich etwas längere Schlangen, da vor dem eigentlichen Eingang zur Stadiontreppe mobile Metalldetektoren aufgebaut wurden und jeder Besucher einzeln von den OMON-Leuten durchsucht wurde. (OMON ist eine Art Spezialeinheit für Großveranstaltungen und Ausnahmesituationen).Wie wir später feststellten gibt es diese Prozedur eigentlich bei jeder Großveranstaltung, z.B. beim Eishockey und selbst im Bolschoi Theater durchlief man betont unauffällige Metalldetektoren.

Nachdem wir also unsere Hosentaschen geleert hatten und für sicher erklärt worden waren, kamen wir auf die Treppe, wo wir überhaupt erst unsere Tickets vorzeigen mussten und zum Dank direkt dahinter vom zugehörigen Cheerleadersquad mit einem Pizzagutschein für 2 Pizzen zum Preis von Einer zwischen der 65. Und der 70. Minute begrüßt wurden.

Anschließend gingen wir schnell auf unsere Plätze denn das Spiel hatte seit einer Minute begonnen. Unsere Plätze (der teuren Kategorie) befanden sich ziemlich mittig auf der Haupttribüne und waren wie das komplette Stadion nicht überdacht. Das Wetter war aber perfekt für einen lauschigen Fußballabend im goldenen Sonnenuntergang, weshalb das Open Air Feeling das Ganze noch angenehmer machte.

Wie wir feststellten konnten ganz besondere Sparfüchse auch gegenüber von uns vom angrenzenden Park aus auf das komplette Spielfeld sehen, weshalb sich dort eine lose Traube Menschen versammelt hatte.

Minsker Stadion.
Dinamo Minsk.
Foto: Jacob Jäschke

Im Stadion, das Platz für ca. 17000 Zuschauer bietet, waren trotz „Stadtderbys“ und Sonnenscheins nur ca. 7000 Zuschauer. Von einer wirklichen Rivalität zwischen den Vereinen war auch nicht viel zu spüren. Es gab auch keinen Block mit Fans, die das komplette Spiel über anfeuern und singen. Es war eher ein allgemeines Gemurmel im Stadion zu vernehmen, welches (angetrieben von „Dawai, dawai“-Rufen) bei Angriffen von Dinamo erwartungsfroh anschwoll und das sich bei vergebenen Chancen dann kurzzeitig zu einer Litanei aus enttäuschten „Aaah“s und „Oooh“s und mit fortgeschrittener Spielzeit auch lauter werdenden Flüchen verwandelte.

Dinamo als Europaleague-Teilnehmer und jahrelange Nummer 1 der Belarusischen Liga in den Neunzigern (Zur Zeit regelmäßig Vizemeister hinter Championsleague-Teilnehmer BATE Barrysau) ging als klarer Favorit ins Spiel und machte auch durchgehend Druck und ging nach einigen sehr knappen Chancen verdient in Führung. 10 Minuten später gelang dem F.K. allerdings der Ausgleich nachdem der Ball nach einem Eckstoß relativ kurios ins Tor kullerte.

Minsker Stadion.
Dinamo Minsk.
Foto: Jacob Jäschke

Zur Halbzeit besuchten wir die Stadiontoilette (scheinbar auch die einzige), die sich direkt hinter dem Spielertunnel befand, sodass man in der Wartschlange die vom Spielfeld und aus den Katakomben kommenden Funktionäre, Cheerleader, Schiedsrichter etc. praktisch „zum Anfassen“ vor sich hatte.

Nach der Halbzeit verteidigte F.K. mit 11 Mann und Dinamo fiel im Angriff nicht mehr viel ein, weshalb das Aufbauspiel gegen Ende auch hektischer und unkonzentrierter wurde und somit konnte sich F.K. das Unentschieden gegen den Favoriten letztlich über die Spielzeit retten.

Als Fußballfan halte ich Spiele von Dinamo Minsk für ein lohnenswertes Spektakel in Minsk, im Stadion hat man viel mehr das Gefühl „mit auf dem Platz“ zu sein, als in den riesigen Arenen in Deutschlands erster Liga und trotzdem wird ansehnlicher, beherzter Fußball geboten.
Für nicht-fußballbegeisterte ist wohl eher das Drumherum interessant, was aber lange nicht vergleichbar ist mit z.B. der Show und der Stimmung die beim Eishockey bei Heimspielen zu erleben ist. Allerdings wurde uns erzählt, dass angeblich bei bestimmten Spielen, zum Beispiel bei Flutlicht, auch noch mehr los ist, als bei diesem „gewöhnlichen Ligaspiel“ am Montagabend, das wir besucht haben. Also schauen Sie einfach mal vorbei und überzeugen Sie sich selbst ;)

Autor: Jacob Jäschke