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Abb.: Klaus Bauerfeld

Humboldt-Universität zu Berlin - Sprachenzentrum

Bericht über den Sprachkurs in Minsk, 2014

Eine kleine Übersicht über die Eindrücke der ersten Woche in Minsk:

  • Belavia, the communist way of flying. Luftfahrthistoriker würden ihre helle Freude daran haben.
  • Die Stadt begrüßt einen mit klassischer Architektur und einem doppelten Regenbogen über dem Zentrum. Schön!
  • Es fühlt sich gar nicht so außergewöhnlich an, Millionär zu sein.
  • Es fühlt sich ziemlich außergewöhnlich an, Essen im Wert von 200.000 Einheiten einer Währung zu kaufen.
  • Weißrussische Supermärkte führen Oettinger Premium und bewerben es als das deutsche Bier Nummer 1.
  • Weißrussische Wohnheime verteilen rosa Blümchenbettwäsche an männliche Studenten.
  • Kühlschränke in weißrussischen Wohnheimen spielen ein Mozartjingle, wenn man sie öffnet. Jedes. Verdammte. Mal.
  • Minsker öffentliche Toiletten …
  • Um dem Deutschen dabei zu helfen, den Kulturschock zu überwinden, empfehlen einem nette Kellner im Café den deutschen Salat „Edelweiß“.
  • Der deutsche Salat „Edelweiß“ schmeckt irgendwie nicht so wie in Deutschland.
  • Der deutsche Salat „Edelweiß“ schmeckt irgendwie besser als in Deutschland.
  • Der deutsche Salat „Edelweiß“ war bisher irgendwie das einzige, das besser geschmeckt hat als in Deutschland.
  • Welche fremdländische politische Agitation auch immer befürchtet wird, es ist in Weißrussland prinzipiell unmöglich, ein Mobiltelefon oder eine SIM-Card zu kaufen, oder irgendwie mit Inlandstarif am Mobilfunknetz teilzunehmen, wenn man keinen Pass vorzeigt.
  • Regungslose Nonnen in den dunklen Treppenhäusern von Minsker Einkaufspassagen können einen zu Tode erschrecken.
  • 20 Plastikbecher, ein Oktavheft und eine Packung Pall Mall rot gibt es am Kiosk zusammen für umgerechnet 1,15€. Ich wollte zwar eigentlich nichts davon haben, aber das ist echt verdammt günstig!
  • Die U-Bahn-Stationen sehen hier entweder nach Stalin oder Star Wars aus.
  • Die U-Bahn ist nicht nur größer, sondern auch komfortabler als in Berlin.
  • Selbiges gilt für die Wohnheime.
  • Die kulturell wertvolle Information „hier an dieser U-Bahn-Station war übrigens der Anschlag mit den vielen Toten“ vonseiten der Dozentin trägt ungemein zur kulturellen Annäherung fremden Nahverkehrsnetzen gegenüber bei.
  • Weißrussen pflegen zuweilen, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr früh aufzustehen. Kein Wunder, dass White Russian mit Kaffee gemacht wird.
  • Weißrussen sind sehr, sehr freundlich. Wenn man sie nach dem Weg zum Einkaufszentrum fragt, kann es passieren, dass sie gleich mit dir hingehen und beim Einkaufen helfen.
  • Es ist sehr deutsch, zu denken, dass sie dabei etwas Böses im Schilde führen. Sie sind einfach wirklich nur sehr, sehr freundlich.
  • Man kann sich im SB-Restaurant ein Vier-Gänge Menü nur mit den Worten „Das da, bitte!“ zusammenstellen. Weißrussen bleiben auch dann sehr, sehr freundlich, wenn das fünfunddreißig Leute hintereinander machen.
  • Ich glaube, ich find’s hier super!


Am Abend vor dem Abflug noch eine kurze Übersicht über die wichtigsten Erkenntnisse der zweiten Woche in Minsk:

  • Wenn man aufs Land hinausfährt, gibt es immer irgendwo eine Hochzeit. Nur wenige Brautpaare haben dabei das Glück, während ihrer Zeremonie keine deutsche Reisegruppe in der Kirche zu haben, die sich lärmend am Kreuzweg vorbeizwängt und nur noch von der weißrussischen Reiseführerin übertönt wird.
  • Das größte erhaltene Fürstenschloss in Weißrussland hat, dem Heiratstrend folgend, spezielle Angebote für Brautpaare. Für umgerechnet 600€ bekommt man den goldenen Saal (der seinem Namen alle Ehre macht), ein Edelbuffet und eine Liveband. Ob die fürstlichen Gemächer im Mietpreis inbegriffen sind, und wie viel es kosten würde, stattdessen gleich das ganze Schloss zu kaufen, konnte aufgrund sprachlicher Hürden leider nicht erfragt werden.
  • Der (wie die meisten Weißrussen) sehr, sehr freundliche Modefachverkäufer, der einem der früheren Bullyfilme entsprungen sein könnte, gestaltet jeden Anzugkauf zum einmaligen Erlebnis!
  • Weißrussinnen haben großes Wissen, was die Kunst der Zauberei angeht. Sie können sämtliche körperlichen (und wahrscheinlich auch seelischen) Beschwerden mit einem einzigen Tee auskurieren. Geschickterweise gilt das aber jeweils immer nur für einen Tag, weshalb sie starke Abhängigkeitsverhältnisse entstehen lassen können.
  • Niemand ist hier betrunken. Noch nicht einmal Studenten oder Autofahrer.
  • Eine Ausnahme dessen bilden westeuropäische Programmstudierende.
  • Bei Männern in offiziellen Positionen gilt: Je schlechter der Anzug sitzt, desto freier sprechen sie über die politischen Verhältnisse des Landes.
  • Die weißrussische Robotertechnik ist viel entwickelter als gemeinhin gedacht: Sämtliche Bedienungsvorgänge in der Mensa geschehen vollautomatisch. Die entsprechenden Roboter verfügen zwar nur über ein Vokabular von zwei Sätzen, „was noch?“ und „ist das alles?“, dafür sehen sie allerdings zum Verwechseln lebensecht aus und tragen sogar Namensschildchen!
  • Aus Gründen der allgemeinen Gesundheitsvorsorge sind alle Studenten gezwungen, sich kostenpflichtig impfen zu lassen. Diese Bestimmung gilt auch für ausländische Programmstudenten mit Aufenthalt vom 1. bis 15. September. Da der Andrang in der Poliklinik allerdings ziemlich groß ist, ist es den ausländischen Studenten erlaubt, ihren Impftermin auch auf Anfang Oktober zu legen.
  • Das offizielle Nationalgeräusch ist das Klacken von Highheels.
  • Ein Land, in dem es keine Wangen- und Zahnfleischpiercings gibt, kann Balsam für das ästhetische Empfinden sein.
  • Rammstein haben in Weißrussland Einreiseverbot.
  • Tokio Hotel haben in Weißrussland kein Einreiseverbot.
  • Dreizehnjährige Weißrussen hören trotzdem lieber Rammstein.
  • Es gibt wenige Oligarchen, aber diese wenigen erkennt man sofort.
  • Es gibt wenige Oligarchenpartnerinnen, aber diese wenigen erkennt man sofort.
  • Die historische Frontlinie vor Minsk ist heute eine Mischung aus Museum, Naherholungsgebiet und Themenpark. Sie liegt ziemlich weit draußen, und der Rückweg in die Stadt gestaltet sich nicht ganz einfach.
  • Marschrutki (so eine Art öffentliche Kleinbusse), die man anhalten will, halten nicht.
  • Lastwagen, die man nicht anhalten will, halten.
  • Lastwagenfahrer, die man nicht anhalten will, sind wie alle Weißrussen sehr sehr nett. Sie bringen einen zu einem Ort, an dem Marschrutki, die man anhalten will, anhalten.
  • Es mag nur Einbildung sein, aber der Tonfall, mit dem ein weißrussischer Lastwagenfahrer seiner Freundin am Telefon berichtet, gerade drei deutsche Anhalter aufgelesen zu haben, klingt so, als wären seine Fahrgäste weiße Einhörner.
  • Zwei Wochen sind definitiv zu kurz.
  • Ich brauche unbedingt einen dieser Trainingsanzüge in Landesfarben aus Plastik – Leute, vergesst Boss und Dior!
  • Minsk, ich habe mich in dich verliebt. Du hast zwar deine kleinen Schwächen, aber wenn du ein Mädchen wärst, würde ich mit weichen Knien und einem Blumenstrauß in der Hand vor deiner Tür stehen!

Autor: Kai Gutacker